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Pressemitteilung Berlin

20 Millionen Stimmen fordern einen gerechten Sozialstaat

Breite Mehrheit der Bevölkerung für einen leistungsfähigen Sozialstaat - Sozialstaatsbündnis kritisiert Schieflage in der politischen Debatte - In Zeiten multipler Krisen warnt Caritas vor Einschnitten bei der Feuerwehr des Sozialen.

Erschienen am:

10.03.2026

Herausgeber:
Deutscher Caritasverband e. V.
Pressestelle
Reinhardtstraße 13
10117 Berlin
+49 30 284447-42
+49 30 284447-42
pressestelle@caritas.de
http://www.caritas.de/presse
  • Beschreibung
Beschreibung

Vierzehn zivilgesellschaftliche Organisationen mit gemeinsam über 20 Millionen Mitgliedern haben ein Bündnis für einen starken und zukunftssicheren Sozialstaat gegründet. Das Sozialstaatsbündnis kritisiert die zunehmende Schieflage in der politischen Debatte, in der der Sozialstaat wiederholt als unfinanzierbar oder als reiner Kostenfaktor dargestellt wird. Die Initiative setzt dem eine positive, faktenbasierte Perspektive entgegen: Der Sozialstaat ist nicht nur finanzierbar, sondern essentiell für sozialen Frieden, wirtschaftliche Teilhabe und demokratische Stabilität.

Caritas-Präsidentin Eva Welskop-Deffaa: "Es braucht einen leistungsfähigen Sozialstaat, und das heißt zuallererst: es braucht erreichbare Angebote der sozialen Daseinsvorsorge: in Stadt und Land, in der Schuldner- und Erziehungsberatung, in der ambulanten Pflege und in der Kinderbetreuung. Wer hier in Zeiten wachsender gesellschaftlicher Anspannungen, ökonomischer Unsicherheiten und demographischer Herausforderungen spart, nimmt der Feuerwehr den Rüstwagen bei akuter Brandgefahr. Einsparungen bei der Feuerwehr des Sozialen verhindern notwendige - präventive - Hilfen. Sie reduzieren zudem Einsatzmöglichkeiten für die vielen Ehrenamtlichen, die bereit sind sich für Menschen in Not zu engagieren und schwächen damit das Netz aus haupt- und ehrenamtlichem Engagement, das unsere Gesellschaft trägt."

Das Bündnis hat das Meinungsforschungsinstitut YouGov mit einer Umfrage beauftragt, um herauszufinden, wie die Menschen in Deutschland zu den Themen Sozialstaat, Rente, Pflege, Facharzttermine und Wohnen stehen.

Zu den wichtigsten Ergebnissen zählt die breite Unterstützung für einen starken Sozialstaat: 79 Prozent der Befragten sagen, dass ein leistungsfähiger Sozialstaat den gesellschaftlichen Zusammenhalt stärkt. Eine deutliche Mehrheit von 73 Prozent spricht sich dafür aus, Menschen mit sehr hohen Vermögen stärker als bisher zu seiner Finanzierung heranzuziehen. Nahezu einhellig ist die Meinung beim Thema Pflege: 95 Prozent halten eine menschenwürdige stationäre und ambulante Versorgung für notwendig, die niemanden finanziell überfordert. Trotz anhaltender Debatten und Desinformationskampagnen wäre mehr als die Hälfte der Befragten bereit, höhere Beiträge zu zahlen, wenn dadurch die eigene Rente steigt. Auch bei der Vergabe von Facharztterminen plädiert eine klare Mehrheit von 77 Prozent für eine strikte Gleichbehandlung von gesetzlich und privat Versicherten.

Das Sozialstaatsbündnis fordert von der Bundesregierung, mehr für die ökologische Transformation zu leisten und dringend notwendige Schritte sozial gerecht zu gestalten - mit fairer Lastenverteilung und sicheren Übergängen für Beschäftigte und Regionen.

Warum dieses Bündnis jetzt?
Das Bündnis beobachtet eine besorgniserregende Entwicklung: Immer mehr Menschen verlieren das Vertrauen in öffentliche Institutionen, demokratische Parteien und den Sozialstaat. Diese Entwicklung wird durch Stimmen verstärkt, die den Sozialstaat einseitig als Belastung darstellen, statt seine Rolle für soziale Sicherheit, wirtschaftliche Teilhabe und gesellschaftlichen Zusammenhalt hervorzuheben. Dazu wollen die Organisationen des Bündnisses gemeinsam den Druck auf die Politik erhöhen. 

Die unterzeichnenden Verbände vertreten gemeinsam mehr als 20 Millionen Mitglieder, Beschäftigte, ehrenamtlich Aktive und Ratsuchende. Sie erleben jeden Tag, wie Solidarität entsteht und welche riesigen Potenziale in einem gerechten und leistungsfähigen Sozialstaat stecken. Die Verbände sind davon überzeugt, dass es sich lohnt, für eine Politik zu kämpfen, die den Sozialstaat stärkt und von der alle Menschen in Deutschland profitieren.

Ziele des Bündnisses
Das Sozialstaatsbündnis verfolgt fünf zentrale Ziele:

1.     Starke, solidarisch finanzierte soziale Sicherungssysteme: Ein guter Sozialstaat braucht eine solidarische und verlässliche Finanzierung guter Renten, Gesundheitssysteme und Pflege. Hochvermögende sollen ihren Beitrag stärker leisten, kleine und mittlere Einkommen entlastet werden.

2.     Handlungsfähiger Sozialstaat in Bund, Land und Kommune: Leistungsfähige öffentliche Daseinsvorsorge - von Bildung über Gesundheit bis Wohnraum - stärkt das Vertrauen in Staat und Gesellschaft.

3.     Gute Arbeit und soziale Absicherung: Tarifbindung stärken, faire Mindestlöhne sichern und Arbeitsbedingungen ausbauen sowie Arbeitsmarktpolitik, die Beschäftigte bei Wandel und Übergängen unterstützt.

4.     Armut wirksam bekämpfen und Teilhabe fördern: Soziale Ungleichheit verringern, Inklusion vorantreiben und den Zugang zu Bildung für alle ermöglichen.

5.     Klimaschutz mit sozialer Sicherheit verbinden: Ökologische Transformation muss sozial gerecht gestaltet werden - mit fairer Lastenverteilung und sicheren Übergängen für Beschäftigte und Regionen.

Mitglieder der Allianz
Arbeiter-Samariter-Bund Deutschland

Arbeiterwohlfahrt

Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland

Deutscher Caritasverband

Deutscher Gewerkschaftsbund

Deutscher Mieterbund

Der Paritätische Gesamtverband

Diakonie Deutschland

IG Metall

Sozialverband Deutschland SoVD

Sozialverband VdK Deutschland

Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di)

Volkssolidarität

Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland

Hinweise zur Methodik: Die Daten dieser Befragung basieren auf Online-Interviews mit Mitgliedern des YouGov-Panels, die der Teilnahme vorab zugestimmt haben. Für diese Befragung wurden im Zeitraum vom 20. bis 23.02.2026 insgesamt 2315 Personen befragt. Die Erhebung wurde nach Alter, Geschlecht, Bildung, Region, Wohnumfeld, Wahlverhalten und politischem Interesse quotiert und die Ergebnisse anschließend entsprechend gewichtet. Die Ergebnisse sind repräsentativ für die Wohnbevölkerung in Deutschland ab 18 Jahren.

  • Ansprechperson
Eine Frau mit langen braunen Haaren und Brille.
Elke Schänzler
Bereichsleiterin Kommunikation und Medien, Pressesprecherin
+49 30 284447-43
+49 30 284447-43
elke.schaenzler@caritas.de
www.caritas.de
Deutscher Caritasverband e. V.
Reinhardtstr. 13
10117 Berlin

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