"Kanzler Merz sägt an den Grundfesten des Sozialstaats und am Kernprofil der Union als christliche Volkspartei, wenn er beim Bankenverband den Eindruck erweckt, diese Regierung wolle Kahlschlags-Reformen in der Rente beschließen. Wer jahrelang einkommensabhängige Beiträge in die gesetzliche Rentenversicherung eingezahlt hat, kann im Alter nicht auf eine ‚Basisrente" verwiesen werden. Es ist der eigentliche Clou der Rente, so wie sie von Konrad Adenauer 1957 eingeführt wurde, dass die Alten am Wohlstand der aktiven Generation beteiligt werden und Menschen wissen, dass sie mit ihren Beiträgen zur Rentenversicherung Eigenvorsorge fürs Alter treffen, die Schutz vor politischer Willkür bietet.
Natürlich sind Reformen aller Sozialversicherungssäulen möglich und auch nötig. In der Rentenversicherung ist allerdings im Vergleich zu Arbeitslosen- oder Krankenversicherung das Langfristversprechen als Vertrauenskapital viel stärker zu gewichten. Hier mit der Axt unterwegs zu sein, ist kein Ausweis von politischer Handlungsfähigkeit, sondern Ausweis von mangelndem Verständnis in die Lebenswirklichkeit der Menschen.
Der Deutsche Caritasverband hat in der Anhörung zur Rentenkommission deutlich gemacht, dass wir uns gründlichen Reformen der Rente nicht verschließen und dafür verschiedene Vorschläge vorgelegt.
Rentenreform ist Meisterhandwerk, erfordert Detailkenntnis und Verständnis für soziale Gerechtigkeit.
Es ist nicht falsch, wenn Banken mit Vermögensbildung im Alter ein Geschäftsfeld erschließen; eine Absicherung des Langlebigkeitsrisikos und eine breite Absicherung für das Alter allerdings gelingt damit nicht. Dafür braucht es Vertrauen in die gesetzliche Rente. Dieses darf ein Kanzler nicht fahrlässig gefährden.